Flutkatastrophe in Rottal-Inn

Ab dem 1. Juni 2016 war die SEG Eggenfelden mehrere Tage in den Flutgebieten im Landkreis Rottal-Inn im Einsatz. Neben der akuten Rettung von Menschenleben in der frühen Phase der Katastrophe standne unsere Kräfte vor allem in den folgenden Tagen als zenrale Anlaufstellen für Erste Hilfe sowie Verpflegung in den Schadensgebieten zur Verfügung.

Bericht der Wasserwacht Bayern:

Hochwasser nach Starkregen – die Wasserwacht Bayern war mit fast 200 Kräften im Landkreis Rottal im Einsatz um Personen aus überfluteten Gebieten zu retten. Neben 28 Booten waren auch vier Luftretter im Einsatz.

Es war Mittwochvormittag als die Wasserwacht im Landkreis Rottal-Inn zur Unterstützung des Rettungsdienstes alarmiert wurde. Was sich in den darauffolgenden Stunden abspielte war hoch dramatisch. Es ging nach Triftern. Rückten die Wasserwachtler noch „trockenen Fußes“ aus, so standen sie kurz darauf mitten in einem Hochwassergebiet. Triftern, Anzenkirchen, Untertürken und Simbach – Innerhalb sehr kurzer Zeit bahnten sich Wassermassen sonst kleiner Flüsse den Weg durch die Ortschaften, rissen Hab und Gut der Menschen mit, zerstörten Häuser und das schlimmste – sie kosteten Menschenleben.

Knapp zwei Tage lang war die Wasserwacht daraufhin stark gefordert. Kräfte der Kreiswasserwachten aus Rottal-Inn, Passau, Dingolfing-Landau, Landshut, Altötting, Mühldorf am Inn, Kehlheim und Deggendorf waren in der Akutphase im Einsatz. Am Mittwoch insgesamt 130 Einsatzkräfte mit 28 Booten. Allein in Bereich Rottal-Inn wurden von der Wasserwacht 482 Menschen mit Booten evakuiert, 17 von den vier eingesetzten Luftrettern der Wasserwacht mit Hubschraubern gerettet. Da sich Mittwochabend der Zustand im Bereich Ruhstorf (Lkr. Passau) zuspitzte, wurden dort Schnelleinsatzgruppen aus Passau und Deggendorf in Bereitschaft gestellt. Insgesamt 30 Einsatzkräfte mit drei Booten. Sie mussten glücklicherweise aber außer Kontrollfahrten nicht weiter eingreifen. In Simbach wurden abends überflutete Straßenzüge abgesucht, nachdem das Wasser langsam zurückging. Dabei wurden die ersten drei Leichen gefunden. Eine Stunde später fanden Einsatzkräfte eine Leiche in einem Ort neben Simbach. Die schreckliche Bilanz bis Freitag waren schon sechs Tote durch die Wassermassen und ein Toter durch einen Herzanfall, der mit den Ereignissen in Verbindung gebracht wird.

Am Donnerstag waren in den Orten Triftern, Anzenkirchen und Untertürken keine Kräfte der Wasserwacht mehr erforderlich. Das Wasser war soweit zurückgegangen, dass mit Booten nicht mehr gefahren werden konnte. In Simbach hingegen wurde weiter dabei geholfen, überschwemmte Straßenzüge zu befahren und mit Tauchern Häuser zu durchsuchen. Die Luftretter blieben wegen der unruhigen Wetterlage den ganzen Tag in Bereitschaft. Am Abend hatte sich die Lage soweit entspannt, dass nahezu alle Kräfte wieder zu den Standorten zurückkehren und sich von den Strapazen erholen konnten. In Simbach blieb über Nacht eine Wasserrettungsgruppe aus Postmünster in Bereitschaft. Diese wurde am Freitagmorgen von den Wasserrettern aus Simbach wieder abgelöst. Bis Sonntag ist geplant, im 12 Stunden-Rhythmus die Teams dort immer auszutauschen und so für eventuelle Einsätze bereit zu stehen. In Simbach laufen die Aufräumarbeiten. Freitag unterstützte die Wasserwacht in der Erlauer Au als der Damm geöffnet wurde.

Insgesamt waren von Mittwochmittag bis Freitagabend 186 ehrenamtliche Helfer der Wasserwacht im Einsatz.

„So schrecklich die Ereignisse sind, so sehr haben wir wieder gesehen, welchen Stellenwert und welche Schlagkraft die Wasserwacht-Bayern bei solchen Einsätzen hat“, lobt die Vorsitzende der Wasserwacht in Bayern, Staatsministerin Ulrike Scharf. Bei einem Besuch im Katastrophengebiet am Donnerstag machte sie sich selbst ein Bild von der Lage. „Ohne das freiwillige Engagement mit Herzblut und teils unter Einsatz des eigenen Lebens, hätten solche Katastrophen sicherlich noch fatalere Folgen.“